Sichtbarkeit für die Unabhängigen

Welche Möglichkeiten bietet VLB-TIX für unabhängige Verlage? Wir haben bei Kathrin Döring, Vertriebsleiterin bei Kein & Aber, nachgefragt.

Für die IG Vertrieb ist der breite Einsatz von VLB-TIX eines der Hauptanliegen für 2018. Welche konkreten Nutzen sehen Sie für unabhängige Verlage?

Ich kann hier nur für Kein & Aber sprechen: Wir wollen mit der Einführung von VLB-TIX die Visibilität unserer Bücher verbessern, und durch stets aktuelle Informationen dem gesamten Handel dieselben Informationen zugänglich machen. Zudem verbessern wir die Sichtbarkeit unserer Titel: Wenn ein Kunde über Warengruppen einkauft, hat er alle Titel dieser Warengruppe im Blick.  Zeitintensives Blättern in Vorschauen entfällt. Durch die Auflagenreduzierung der Vorschau entlasten wir außerdem die Umwelt und können das gesparte Geld in sinnvolle, Aufmerksamkeit erzeugende, Marketingmaßnahmen investieren. Diese Maßnahmen sollen den Endkunden auf den Verlag und seine Produkte aufmerksam machen. Im besten Fall geht der Endkunde dann in die Buchhandlung und kauft dort möglichst viele Bücher.

Anders als in der Printvorschau sind die Buchdaten in VLB-TIX täglich auf dem aktuellsten Stand. Welche Bedeutung hat das?

Sollte es während des Beratungsgesprächs Fragen geben, hat der Buchhändler durch das VLB-TIX die Möglichkeit, diese Frage durch die aktuellen Daten im TIX zu beantworten. Diesen Vorteil können Printvorschauen nicht bieten. Ich bin der Meinung, dass die Verlage einen unverhältnismäßig hohen Anteil ihrer Marketinggelder in z.B. Vorschauen investieren, die schon bei Drucklegung Makulatur sind. Es geht doch um die Vermittlung der Information, die zum Einkauf des Produkts  führen soll.

Wie gehen Sie VLB-TIX bei sich im Haus an?

Aktuell ist VLB-TIX bei uns nur im Vertrieb angesiedelt. Nächster Schritt wird sein, das System auf die andere Abteilungen auszurollen, insbesondere Marketing und Presse. Bei unserer Vertretertagung im April wird VLB-TIX auf der Tagesordnung stehen. Ich werde das System live zeigen, unsere weitere Strategie erläutern und Fragen der Vertreter beantworten.  

Wie wird sich aus Ihrer Sicht das Vertretergespräch verändern?

Ich sehe hier viele positive Aspekte: Der Vertreter kann sich auf die Beratung konzentrieren. Einen Vorteil sehe ich auch in der Aktualität der Daten: Die Printvorschau ist mit Erscheinen bereits veraltet. Vertreter haben jetzt die Chance, jeden Tag aufs Neue mit den aktuellsten Daten zu arbeiten. Der Vertreter muss sich nicht, wie jetzt, am Wochenende die letzten Titelaktualisierungen des Verlags aus seinen Mails raussuchen. Natürlich ist das erst einmal ein Umstellungsprozess, jedoch abseits gewohnter Routinen ein echter Effizienzgewinn. Auch Verlage müssen sich disziplinieren und alte Gewohnheiten hinterfragen. Also nicht dem Impuls nachgehen und schnell eine Mail mit Aktualisierungen zu einem Titel rausschicken, sondern die Aktualisierungen direkt in der Datenbasis eingeben.

Schafft VLB-TIX die Vertreter ab?

Diese Angst halte ich für völlig unbegründet. Im Vorteil werden die Vertreter sein, die VLB-TIX als Arbeitswerkzeug beherrschen und einsetzen.

Wo sehen sie Erfolgsbedingungen für die Nutzung von VLB-TIX im Buchhandel?

Wichtig ist, dass sich der Buchhändler in Vorbereitung auf das Vertretergespräch alle Vorschauen eines Vertreters anzeigen kann. Momentan gibt es hier noch Lücken, da noch nicht alle Verlage als Premiumverlage dabei sind. Damit der Austausch zwischen Vertreter und Buchhändler funktioniert, ist die Technikausstattung im Buchhandel immens wichtig. Ich sehe hier im Buchhandlungen teilweise einen Investitionsrückstau. Geeignete Präsentationsbildschirme, Tablets oder schnelles WLAN – das sind alles Erfolgsbedingungen für die digitale Vorschau. Wie wir für dieses wichtige Thema eine Lösung finden, bei knappen Zeit- und Geldbudgets im unabhängigen Sortiment, sollte in der Branche diskutiert werden.

Stichwort Change Management: Wie können die einzelnen Parteien dazu beitragen, dass sich neue Prozesse einspielen?

Indem alle Seiten unvoreingenommen mit dem Thema digitale Vorschauen umgehen. Ignoranz hilft hier nicht weiter. Ich denke, dass in allen Gruppen, egal ob Verlag, Vertreter oder Buchhändler, mittlerweile die Erkenntnis da ist, dass VLB-TIX im Markt eingesetzt werden wird. Wenn wir jetzt als Anwender mitgestalten, können wir den größten Nutzen aus dem System ziehen und an künftigen Standards mitwirken. Ein Beispiel: Große Verlage haben das Budget, ihre Titelbühnen opulent zu gestalten. Davon wollten wir mit VLB-TIX ja gerade wegkommen. Ziel ist, wenn ich das richtig verstanden habe, das „Wettrüsten“ der Vorschauen zugunsten einer schlanken und übersichtlichen Einkaufsdarstellung  entfallen zu lassen.

Wie sehen Sie die Entwicklung für dieses Jahr?

Der Durchbruch sollte in diesem Jahr geschafft werden. Ich denke, es ist an der Zeit zu überlegen, wann wir die Printvorschau komplett einsparen.


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